Suche

Über mich,
Stefanie Theile

Mit Pixibüchern fing es an: Ich lese seit ich lesen kann. Während meines Germanistikstudiums habe ich auch Literatur von Lessing bis Lenz verschlungen. Wie lange ich Buchempfehlungen gebe, erinnere ich nicht mehr. Jedenfalls ungezählte Jahre als Autorin für Zeitschriften. Und nun hier. Weil ich möchte, dass auch andere Leser die Bücher entdecken, die mich begeistern.

RANDNOTIZEN

Meine Favoriten 2016
"Neringa oder die andere Art der Heimkehr" von Stefan Moster, weil erinnern relativ ist.
Der "Lebe gut"-Kalender stimmt mich jeden Tag froh. 2017 wieder!
"Im Zeitmaß der Mönche" von Anselm Grün, weil die präzisen Sätze des Mönchs nachhallen.
"Saint Mazie" von Jamie Attenberg wegen der klaren Erzählstruktur.
"Das zerstörte Leben des Wes Trench" von Tom Cooper, weil niemand so eindrücklich über Louisiana nach Hurrikan Katrina geschrieben hat.
"Lucy fliegt" von Petra Piuk wegen ihres Erzähltalents.


Aus "Saint Mazie"
"Na schön, ich hatte ein Schlückchen aus dem Flachmann genommen, stimmt schon. Ein Schlückchen und eine Zigarette, das kann mir keiner verübeln. Ich hatte meine ganzen True Romance-Heftchen ausgelesen, und die nächste Vorstellung fing erst in zwanzig Minuten an."


Aus „Der schönste Grund, Briefe zu schreiben“:
„Ein offenes Buch ist ein sprechender Geist; geschlossen ist es ein wartender Freund.“ Hinduistisches Sprichwort


Aus „Die Sommer der Porters“:
„Er schlägt das Tagebuch mit dem marmorierten Einband auf. Im Ofen knistert und knackt das Feuer.“


Was gerade auf meinem Nachttisch liegt
„Mal! Schreib! Kritzel! Für das Einschlafritual – und ein Becher mit bunten Stiften.
„Dein Bett liebt dich!“ zum Drin-rum-blättern in schlaflosen Nächten


Der Flur ist
„Die Schleuse zu Glück und Unglück, und immer stehen zu viele Schuhe dabei herum und schauen zu.“
Aus: Wohn dich glücklich!


Zitat aus "Hellwach"
"Die Blätter in den Baumkronen, die ab und zu vom orangefarbenen Straßenlicht beleuchtet werden, bilden einen Tunnel voller Sterne über mir."


Aus "Wir & ich"
 „Mieke geht unter die Dusche. Ein Bad nimmt sie nie, das machen nur faule Leute, die zu viel Zeit haben.“


Noch'n Buch
über Bücher, allerdings schon älter: „Eine Geschichte des Lesens“ von Alberto Manguel. Ein Klassiker, den man unbedingt haben muss, sofern einen Literatur interessiert. Fiel mir bei dem Buch von Andrea Gerk wieder ein, weil das auch so etwas Grundsätzliches ist


Zitat
"Literatur rettet Leben", sagte Alice. "Du liest viel?" "Jede freie Minute", sagt sie. "Das ist mein Rettungsboot."
Aus Isabella Straub: Das Fest des Windrads


Kalenderspruch
Unter dem Stichwort Lesefreuden steht in meinem Kalender: "Nur eines ist vergnüglicher, als abends im Bett, vor dem Einschlafen, noch ein Buch zu lesen – und das ist morgens, statt aufzustehen, noch ein Stündchen weiterzulesen!"
Oh, ja!


Sich durchkämpfen
Als ich „Im Hause Longbourne“ von Jo Baker las, fiel mir Olwen Hufton ein: „Frauenleben“. Die Geschichte von Frauen zwischen 1500 und 1800. Wie Hausmädchen lebten, wie Ehen geschlossen wurden, welche Rechte Frauen vorenthalten wurden, wie sie von ihren Vätern, Männern, Arbeitgebern abhängig waren.


 

Neues Meine fünf aktuellen Empfehlungen, die ich eben gelesen und gehört habe. Regelmäßig kommen neue hinzu. Bücher, denen ich ganz viele Leser und Hörer wünsche.
14. Februar 2017

Selja Ahava

Dinge, die vom Himmel fallen

Es passieren manchmal Dinge, die kein Mensch versteht. Wenn beispielsweise mitten im Sommer ein Eisklumpen vom Himmel fällt. Oder wenn ein Mann vier Mal vom Blitz getroffen wird und außer verkokelten Haaren kaum Schaden davon trägt. Saara ist acht, als ihre Mutter stirbt. Etwas, was sie nicht richtig versteht. Und was ihr Leben verändert, ob sie es will oder nicht.
Danach lebt sie mit ihrem Vater und Tante Annu in einem Gutshaus mit 15 Schlafzimmern, in denen Krankenbetten stehen. Und im Garten weiden Schafe, aus deren Wolle die Tante Filzteppiche herstellt.
Es passiert eigentlich nicht viel in diesem wunderbaren Roman der Finnin Selja Ahava, der heute erscheint. Aber sie erzählt schöne Geschichten, sie beschreibt fantasievoll eine nicht alltägliche Lebensgemeinschaft.
Und sie sucht nach Antworten auf unwahrscheinliche Begebenheiten. Sind es Zufälle? Ist es Schicksal? Gibt es auf einfache Fragen immer eine Antwort? Und macht die einen dann klug? Lässt sie Verstehen zu?
Selja Ahava erhielt im letzten Jahr den Literaturpreis der Europäischen Union. Sie hat aus meiner Sicht die unvergleichliche Gabe, das Märchenhafte im Leben zu erkennen. So leicht und anmutig schreibt keine Zweite über existentielle Fragen.

Unbedingt lesen, wenn Sie die Poesie im Alltäglichen suchen

Selja Ahava Dinge, die vom Himmel fallen Selja Ahava
„Dinge, die vom Himmel fallen“
mare, 205 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-8664-8242-5

www.mare.de

9. Februar 2017

Astrid Algermissen

Sweet living im Scandi Style

Jetzt weiß ich was dazu gehört: Holz, Pastellfarben, Weiß und ganz viel, viel Licht. Die Bausteine für skandinavisches Wohngefühl. „Hygge“, das dänische Wort für Gemütlichkeit, ist in aller Munde und gerade in den USA viel diskutiert.
Wir hier in Deutschland sind näher dran, fahren häufig in eines der hübschen Ferienholzhäuser und wissen, wie eine Wohnung gemütlich, aber nicht plüschig oder vermüllt eingerichtet wird. Dennoch kann Marion Hellweg uns noch was zeigen.
Nämlich lauter echte Wohnungen von jungen Menschen. Alle sind ganz verrückt auf Einrichten, nämlich Interior-Blogger. Die Räume, die denen in unseren Mietshäusern entsprechen, sind keine Lofts mit bodentiefen Sprossenfenstern und zauberhaften kleinen Nischen in der Küche. Das gefällt mir. Denn alles andere lässt sich ja nicht nachmachen.
Dazu erzählen die Bewohner ihre Geschichten, geben Tipps und stiften Ideen: aus Leder selbst gefertigte Türgriffe, ein Stilmix aus Kunst und skandinavischem Flair, die unschlagbare Kombi von Grau und Weiß.
Nordisches Wohnfeeling ist noch lange nicht ausgereizt. Jetzt sind gerade Wandteller hipp – nur nicht mit langweiligen Motiven und in kreisrunder Hängung.

Astrid Algermissen Sweet living im Scandi Style Klar, hell, lichtdurchflutet –
wirkt alles hübsch aufgeräumt
Astrid Algermissen Sweet living im Scandi Style Astrid Algermissen
„Sweet living im Scandi Style“
BusseSeewald, 160 Seiten, 24,95 Euro
ISBN 978-3-7724-7444-6

www.busse-seewald.de

31. Januar 2017

Neil Ansell

Tief im Land

Rückzug. Besinnung auf mich. Das ursprüngliche Leben. Ohne Strom. Ohne fließendes Wasser. Träume…
Neil Ansell hat ihn fünf Jahre lang wirklich gelebt. Er zog sich in ein einsames Gehöft in Wales zurück. Elf Kilometer vom nächsten Ort entfernt. Zugewachsene Pfade und alte Steinbrücken vom Nachbarn getrennt.
Schon bald wird dem BBC-Journalisten klar: Beim Vertiefen in sich selbst verliert er sich. Er löst sich auf inmitten von Natur. „Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Gelegenheit, sich ganze fünf Jahre zu nehmen, frei von gesellschaftlichen und beruflichen Verpflichtungen. Man würde meinen, dass man sich in dieser Zeit selbst sehr gut kennenlernt, dass man über seine Vergangenheit. Und die Entscheidungen, die man getroffen hat, nachdenkt. …Nichts von all dem geschah. … Ganz bestimmt lernte ich in den Jahren, die ich in Penlan Cottage verbrachte, mich in meiner eigenen Gesellschaft wohlzufühlen. Das allerdings kam nicht dadurch zustande, dass ich immer tiefer in mich drang, sondern dadurch, dass ich mich selbst vergaß. Ich vergaß, dass ich da war. Ich war zu einem Teil der Landschaft geworden, zu einem Stein.“
Zwischen Beginn des Experiments und dieser Einsicht lese ich wunderbare Naturbeschreibungen, vor allem über die reiche Vogelwelt Wales’. Über Raben, Falken, Gartenrotschwänze, die in Hecken und Bäumen rund um das Cottage zuhause sind. Über die Mäuse, die sich im Haus breit machen. Ich lese vom nahen Torfmoor, von grünen Hügeln und dem sternenübersäten Nachthimmel. Ein Buch, das mich erfüllt. Ich träume nicht, ich lese das Buch.

Neil Ansell Tief im Land Neil Ansell
„Tief im Land“
Allegria, 268 Seiten, 18 Euro
ISBN 978-3-7934-2311-9

www.allegria-verlag.de

26. Januar 2017

Ida Simons

Vor Mitternacht

Die zwölfjährige Gittel wächst in einer turbulenten, ein bisschen verrückten jüdischen Großfamilie auf. Immer wenn sich ihre Eltern streiten – also eigentlich an jedem Sonn- und Feiertag – , zieht die Mutter mit ihr früher oder später nach Antwerpen zur Großmutter. Für Gittel eine willkommene Abwechslung. Denn dort lernt sie die Bankiersfamilie Martell kennen – und die haben einen Steinway-Flügel.
Gittel, die leidenschaftlich gerne Klavier spielt, kann dort üben, und findet obendrein in der Bankierstochter Lucie eine Freundin. „Nach einer Woche war ich Lucies Sklavin…. Für mich lag ihr großer Zauber vor allem darin, dass sie ganz anders war als alle Frauen, die ich kannte.“
Gittel kann ihrem chaotischen Zuhause entfliehen und findet bei den Martells Wertschätzung, Förderung ihres Klavierspiels und eine gewisse Vornehmheit. Das Mädchen wird langsam erwachsen. Lucie allerdings weiß die Anhänglichkeit Gittels für sich zu nutzen.
Die Niederländerin Ida Simons schrieb den Roman, der in den 20er Jahren spielt, 1959, nachdem sie ihre Karriere als Konzertpianistin aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Sie hatte mit ihrer Familie zwei Konzentrationslager überlebt, starb aber an den Folgen der Gefangenschaft nur ein Jahr nach Erscheinen ihres Romans.
Ida Simons hat ein Zeugnis bürgerlichen jüdischen Lebens hinterlassen. Mit Humor und Sensibilität für Details beschreibt sie Besuche in der Synagoge, die Hilfsbereitschaft und Verrücktheiten einer liebenswerten Familie.

Unbedingt lesen, denn diese Wiederentdeckung zeigt jüdisches Leben vor dem zweiten Weltkrieg

Ida Simons Vor Mitternacht Ida Simons
„Vor Mitternacht“
Luchterhand, 224 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-6308-7507-1

www.luchterhand-verlag.de

16. Januar 2017

Astrid Algermissen

Scandi do it yourself

Man muss wirklich nicht viel Geld ausgeben, um Trends mitzumachen. Beispielsweise: Deko aus Beton oder auch große Buchstaben in Regalen, die seit einiger Zeit überall auftauchen. Die DIY-Bloggerin Astrid Algermissen zeigt, wie wir das ganz leicht selber machen können.
Die Buchstaben entstehen in zwei, drei Stunden aus Papprollen, Pappe, Zeitungspapier und Serviettenkleber. Aus Zement werden die Äpfel geformt, der Stiel ist aus einem alten Nagel gebogen.
Fotos und klare Anleitungen machen das Nachmachen leicht. Und an Ideen mangelt es der Autorin nicht. Aus Frühstücksbrettern, Drahtbügeln, Konservendosen oder Brettern von Obstkisten werden neue Einrichtungsgegenstände, Dekoratives, Nützliches und vor allem Individuelles.
Im Anhang liefert das Buch Vorlagen für Schriften und Muster. Einfacher geht’s nicht.

Astrid Algermissen Scandi Do it yourself Astrid Algermissen
„Scandi do it yourself“
DVA, 141 Seiten, 19,99 Euro
ISBN 978-3-4210-4022-0

www.dva.de