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Über mich,
Stefanie Theile

Mit Pixibüchern fing es an: Ich lese seit ich lesen kann. Während meines Germanistikstudiums habe ich auch Literatur von Lessing bis Lenz verschlungen. Wie lange ich Buchempfehlungen gebe, erinnere ich nicht mehr. Jedenfalls ungezählte Jahre als Autorin für Zeitschriften. Und nun hier. Weil ich möchte, dass auch andere Leser die Bücher entdecken, die mich begeistern.

RANDNOTIZEN

Aus „Die Sommer der Porters“:
„Er schlägt das Tagebuch mit dem marmorierten Einband auf. Im Ofen knistert und knackt das Feuer.“


Was gerade auf meinem Nachttisch liegt
„Mal! Schreib! Kritzel! Für das Einschlafritual – und ein Becher mit bunten Stiften.
„Dein Bett liebt dich!“ zum Drin-rum-blättern in schlaflosen Nächten


Der Flur ist
„Die Schleuse zu Glück und Unglück, und immer stehen zu viele Schuhe dabei herum und schauen zu.“
Aus: Wohn dich glücklich!


Zitat aus "Hellwach"
"Die Blätter in den Baumkronen, die ab und zu vom orangefarbenen Straßenlicht beleuchtet werden, bilden einen Tunnel voller Sterne über mir."


Aus "Wir & ich"
 „Mieke geht unter die Dusche. Ein Bad nimtm sie nie, das machen nur faule Leute, die zu viel Zeit haben.“


Noch'n Buch
über Bücher, allerdings schon älter: „Eine Geschichte des Lesens“ von Alberto Manguel. Ein Klassiker, den man unbedingt haben muss, sofern einen Literatur interessiert. Fiel mir bei dem Buch von Andrea Gerk wieder ein, weil das auch so etwas Grundsätzliches ist


Zitat
"Literatur rettet Leben", sagte Alice. "Du liest viel?" "Jede freie Minute", sagt sie. "Das ist mein Rettungsboot."
Aus Isabella Straub: Das Fest des Windrads


Kalenderspruch
Unter dem Stichwort Lesefreuden steht in meinem Kalender: "Nur eines ist vergnüglicher, als abends im Bett, vor dem Einschlafen, noch ein Buch zu lesen – und das ist morgens, statt aufzustehen, noch ein Stündchen weiterzulesen!"
Oh, ja!


Sich durchkämpfen
Als ich „Im Hause Longbourne“ von Jo Baker las, fiel mir Olwen Hufton ein: „Frauenleben“. Die Geschichte von Frauen zwischen 1500 und 1800. Wie Hausmädchen lebten, wie Ehen geschlossen wurden, welche Rechte Frauen vorenthalten wurden, wie sie von ihren Vätern, Männern, Arbeitgebern abhängig waren.


 

Neues Meine fünf aktuellen Empfehlungen, die ich eben gelesen und gehört habe. Regelmäßig kommen neue hinzu. Bücher, denen ich ganz viele Leser und Hörer wünsche.
29. Juli 2016

Amy Sackville

Reise nach Orkney

Zu Beginn liest sich alles normal: alternder Literaturprofessor verbringt mit seiner frisch angetrauten jungen Frau Flitterwochen auf einer der Orkney-Inseln. Sie ist 40 Jahre jünger, seine ehemalige Studentin. Na, denke ich, das kann ja spannend werden. Und vermute Dominanzgesten des Übervaters, Unterwerfung, vielleicht spätere Emanzipation der jungen Frau. Alles Quatsch!
Das elfenhafte weibliche Wesen, dem Amy Sackville keinen Namen gibt, ist gleichermaßen schön wie geheimnisvoll. Der für die Wissenschaft lebende Professor verfällt ihr vom ersten Moment da sie eines seiner Seminare besucht. Und ihn dann auch noch sanft und hintergründig verführt. Sie heiraten ganz fix nach Semesterende, eigentlich kennen sie sich gar nicht.
Das ändert der Honeymoon am Meer, der sich so gar nicht honigsüß entwickelt. Seite für Seite oder auch Woge für Woge zieht Amy Sackville mich in eine verwirrende Geschichte hinein. „Wir sind erst seit einer Woche hier, aber schon verblassen die Erinnerungen.“ Das Leben in London geht unter in Meeresmythen, in Erzählungen von Nymphen, Flossenmännern, Seegeistern und Nixen. Der klare Blick verschwimmt. Die Weitsicht wird vernebelt. Aus Eindeutigkeit wird ein Märchen. Wer ist hier von wem abhängig?
Der jungen englischen Autorin ist ein vom Zauber des wilden Meeres umtoster Roman gelungen. Sie schildert eine dichte Atmosphäre: Dorfladen, Ferienhaus, Felsen, Düfte, Feuchtigkeit – es ist als säße ich nebenan und wäre Teil davon. Amy Sackville verwebt farbige Schilderungen von Wolken und Wasser mit träumerischen Emotionen. Das Paar nähert sich, entfernt sich wieder. Das Ende dieses wunderbar poetischen Romans verrate ich nicht. Nur soviel: Die entrückte Liebe, die sich selbst genügt? Ein Mythos.
Mein Lieblingsbuch des ersten Halbjahres.

Unbedingt lesen, wenn Sie das Meer lieben und Mythen und sich gerne überraschen lassen. Einfach großartig!

Amy Sackville Reise nach Orkney Amy Sackville
„Reise nach Orkney“
Luchterhand, 251 Seiten, 19,99 Euro
ISBN 978-3-6308-7435-7

www.luchterhand-verlag.de

23. Juli 2016

Fuminori Nakamura

Der Dieb

Nishimura ist ein Taschendieb, ein ganz gewiefter und erfolgreicher. Ich folge ihm durch Tokio. In U-Bahnwaggons. In Einkaufszentren. Und ich lerne viel darüber wie so ein Diebstahl im Gedränge funktioniert. Für Nishimura ist das Klauen ein Lebenselixier. Es geht ihm nicht ums Geld. „Die Regeln, die andere erfunden hatten, galten nicht für mich.“ Der Mann ist anders, unabhängig.
Das ändert sich als ihm ein kleiner Junge zu folgen beginnt. Und als ein Yakuza-Typ die Talente des Diebs für seine Organisation in Anspruch nimmt. Ein kluges Buch über Freiheit, Abhängigkeit, Einsamkeit und das alles gebündelt auf nur 200 Seiten. Die knappe, einfache, doch betörend klare Sprache konzentriert sich auf das Notwendige. Damit hatte der 39-jährige Japaner bereits in vielen Ländern Erfolg. Schön, dass es auch eine deutsche Übersetzung gibt.

Unbedingt lesen, denn dieser Thriller ist ganz anders.

Fuminori Nakamura Der Dieb Fuminori Nakamura
„Der Dieb“
Diogenes, 211 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-2570-6945-7

www.diogenes.ch

12. Juli 2016

Jesko Wilke

Das Leben ist ein zotteliges Ungetüm

Schon der Titel amüsiert. Und dann noch das: Der Vater ist Türsteher. Die Tochter repariert Kfz. Der Hund apportiert ihr das Werkzeug. Die drei wohnen in einer WG. Das verspricht doch nett zu werden.
Und dann fängt es eigentlich erst richtig an: mit einer folgenschweren Verwechslung, miesen Intrigen, ein bisschen Liebe und der Verwirklichung eines lang gehegten Traumes. So witzig geschrieben, dass ich oftmals laut auflachen konnte.
Weil niemand seiner Rolle so recht gerecht wird. Der Vater, der mit seinem männlichen Selbstbewusstsein Zwiesprache hält. Die Tochter, die unbeirrt ihren Weg geht und trotzdem en gutes Verhältnis zum Vater hat. Ein Opa, der mit Einverständnis aus dem Seniorenheim entführt wird und fortan wieder seiner Leidenschaft als Schrauber nachgeht.
Überhaupt die Leidenschaft: Der Roman ist damit geschrieben. Und ich freue mich, dass ich mal wieder ein Buch in der Hand habe, dass nicht ahnen lässt wie langwierig (und oft auch schwierig) so ein Schreibprozess ist, sondern das nur Freude macht, es zu verschlingen.

Unbedingt lesen, wenn Sie auf der Suche nach bester, lockerer Unterhaltung sind.

Jesko Wilke Das Leben ist ein zotteliges Ungetüm Jesko Wilke
„Das Leben ist ein zotteliges Ungetüm “
Dryas, 264 Seiten, 11 Euro
ISBN 978-3-9408-5567-1

www.dryas.de

5. Juli 2016

Elizabeth Graver

Die Sommer der Porters

Seit Jahrzehnten verbringt die vermögende Familie Porter die Ferien auf ihrem Sommersitz auf der Halbinsel Ashaunt in Massachusetts. Als sie 1942 ankommen, grenzt ein Militärstützpunkt an ihr Grundstück. Der bringt verstörende Unruhe in den friedlichen Sommerverlauf der Porters.
Bei Spaziergängen stößt man an Zäune, die Soldaten flirten mit den Kindermädchen, der Sohn der Porters muss als Soldat nach Europa und am Ende des Sommers gerät die jüngste Tochter Jane in die Hände eines Soldaten. Unschöne Veränderungen.
In späteren Jahren zeigt sich, dass das Leben damals noch vergleichsweise friedlich war. Andere Kriege, finanzielle Unsicherheit und die Auflösung traditioneller Familienbindung verschonen auch die Porters und ihre Nachbarn nicht.
50 Jahre Familiengeschichte: Elizabeth Graver hält die Spannung, weil sie sowohl die Hauptdarsteller als auch die Erzählform ändert. Mal steht das aus Schottland stammende Kindermädchen Bea im Vordergrund, dann hält die älteste Tochter Helen in ihrem Tagebuch die Sommererinnerungen fest. Später ist deren ältester Sohn Charlie der Protagonist. Die anderen tauchen jeweils als Randfiguren auf.
So gelingt es Elizabeth Graver, einen dichten und packenden Generationenroman zu schreiben. Die raue Küstenlandschaft, das wunderbare Meer, der Zusammenhalt der Familie über alle Jahrzehnte hinweg haben mich fasziniert. Ein richtig schöner Roman zum Abtauchen und beste Lektüre für die Ferien – auch wenn man sie nicht am Meer verbringt.

Unbedingt lesen, wenn Sie eine typische Upperclass-Familie in Neuengland über einige Jahrzehnte begleiten möchten

Elizabeth Graver Die Sommer der Porters Elizabeth Graver
„Die Sommer der Porters“
mare, 461 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-8664-8223-4

www.mare.de

30. Juni 2016

Rachelle Blondel

altbewährt & neu entdeckt

Wie ich solche Bücher liebe! Schöne Fotos und fundierter Inhalt sind meiner Meinung die einzig mögliche Kombination für Sachbücher. Hier geht es um Hausmittel. Zum Putzen, Wäsche waschen, für die Hausapotheke und selbstgemachte Kosmetik.
Und das alles so animierend, dass ich jetzt am liebsten den Mac mit einem Wischeimer tauschen möchte. Im Eimer ist neben Waschsoda, Essig, Olivenölseife und einigen Tropfen Pinienöl nur Wasser. Keine Chemie, die pure Natur.
Oder selbst gemachte Bienenwachspolitur für die Möbel. Oder Tipps wie ich Gläser und Flaschen wieder durchscheinend bekomme. Da kommt die Eierschale ins Spiel. Zusammen mit Zitronensaft bleibt sie einige Tage im Glas und schon sind die Flecken weg. Außerdem kann mit Eierschalen Schnecken von Pflanzen abhalten (werde ich probieren, glaube ich nämlich nicht) und als Pflanzendünger können sie auch dienen.
Das Buch steckt voller Anregungen und weil es modern und ausnehmend hübsch fotografiert ist, werde ich es oft zur Hand nehmen und nachschlagen. Jetzt erst einmal Wischen und danach gibt es eine Nagelpflege mit Bienenwachs. Dieses Buch hat absoluten Nutzwert.

Rachelle Blondel altbewährt & neu entdeckt Rachelle Blondel
„Altbewährt & neu entdeckt“
Lifestyle BusseSeewald, 144 Seiten, 16,95 Euro
ISBN 978-3-7724-7418-7

www.busse-seewald.de