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Über mich,
Stefanie Theile

Mit Pixibüchern fing es an: Ich lese seit ich lesen kann. Während meines Germanistikstudiums habe ich auch Literatur von Lessing bis Lenz verschlungen. Wie lange ich Buchempfehlungen gebe, erinnere ich nicht mehr. Jedenfalls ungezählte Jahre als Autorin für Zeitschriften. Und nun hier. Weil ich möchte, dass auch andere Leser die Bücher entdecken, die mich begeistern.

RANDNOTIZEN

Zitat aus "Hellwach"
"Die Blätter in den Baumkronen, die ab und zu vom orangefarbenen Straßenlicht beleuchtet werden, bilden einen Tunnel voller Sterne über mir."


Meine Favoriten 2015
"Die Glücklichen" von Kristine Bilkau wegen ihrer poetischen Sprache.
"Das Institut der letzten Wünsche" von Antonia Michaelis wegen der Fantasie.
Wegen der schönen Landschaftsbeschreibungen von Ruth Cerha "Bora" und wegen des gesellschaftlichen Bezugs "manchmal rot" von Eva Baronsky.
Würde ich jederzeit wieder lesen.


Noch'n Buch
über Bücher, allerdings schon älter: „Eine Geschichte des Lesens“ von Alberto Manguel. Ein Klassiker, den man unbedingt haben muss, sofern einen Literatur interessiert. Fiel mir bei dem Buch von Andrea Gerk wieder ein, weil das auch so etwas Grundsätzliches ist


Zitat
"Literatur rettet Leben", sagte Alice. "Du liest viel?" "Jede freie Minute", sagt sie. "Das ist mein Rettungsboot."
Aus Isabella Straub: Das Fest des Windrads


Kalenderspruch
Unter dem Stichwort Lesefreuden steht in meinem Kalender: "Nur eines ist vergnüglicher, als abends im Bett, vor dem Einschlafen, noch ein Buch zu lesen – und das ist morgens, statt aufzustehen, noch ein Stündchen weiterzulesen!"
Oh, ja!


Sich durchkämpfen
Als ich „Im Hause Longbourne“ von Jo Baker las, fiel mir Olwen Hufton ein: „Frauenleben“. Die Geschichte von Frauen zwischen 1500 und 1800. Wie Hausmädchen lebten, wie Ehen geschlossen wurden, welche Rechte Frauen vorenthalten wurden, wie sie von ihren Vätern, Männern, Arbeitgebern abhängig waren.


 

Neues Meine fünf aktuellen Empfehlungen, die ich eben gelesen und gehört habe. Regelmäßig kommen neue hinzu. Bücher, denen ich ganz viele Leser und Hörer wünsche.
25. Mai 2016

Corinna T. Sievers

Die Halbwertszeit der Liebe

Es kommt nicht oft vor, dass mich ein Roman gleichermaßen begeistert wie ratlos macht. Corinna T. Sievers kann schreiben, ihr Stil ist glasklar und zieht mich in seinen Bann. Sie beschreibt Charaktere wie Situationen nüchtern wissenschaftlich, ironisch, gnadenlos direkt. Ihre Hauptfigur, Margarete Dorn, eine Frau, die fasziniert und bei mir auch immer wieder ein Stirnrunzeln verursacht. Zwischen diesen emotionalen Polen bewegt sich der komplette Roman.
Besagte Margarete ist Schönheitschirurgin mit dem Spezialgebiet Penisvergrößerung. Sie kennt die Männer also – auch an ihrer schwächsten oder vermeintlich stärksten Stelle. Sie ist 45 Jahre alt, sehr erfolgreich, hübsch, dünn bis mager und ein bisschen gestört: Schon auf Seite 6 erfahren wir: „Der Name meiner Krankheit: Dysmorphophobie, überzeugt, missgestalt zu sein.“ Dennoch hat sie Schlag bei den Männern. Grund? Vielleicht siehe oben.
Die Männer aber kommen bei ihr nicht so richtig an: Margarete empfindet kein Begehren. Sie will dennoch einen Mann an ihrer Seite und beschließt Professor Dr. Heinrich zu lieben. Es entwickelt sich eine merkwürdig unterkühlte Beziehung. Margarete beobachtet, durchschaut, analysiert: Da kommt Heinrich schlecht bei weg. Trotzdem sehnt sie sich nach Anlehnung. Die starke Frau sucht einen Halt. „Wie zu einem Kinde spricht er, und gern lasse ich mich maßregeln. Tatsächlich habe ich eine Schwäche für Lehrmeister, sublimiere das Leiden an der Vaterfigur, indem ich männliche Aggressionen lustvoll umwandle.“ Nur zu gerne unterwirft sie sich den Forderungen des Professors nach einem Liebesbeweis. Um dann, nach wenigen Tagen und einem Wochenendurlaub in der Schweiz (er zu einem Kongress, sie als attraktive Begleitung) zu erkennen, das die Halbwertszeit der Liebe reichlich kurz ist.
Das Buch durchzieht eine stets schwankende Ambivalenz: Zartheit, Verletzlichkeit, verletzende Klarheit, derbes Tun. Ja, der Wunsch nach einem dominierenden Mann ist da, aber kaum hat man ihn an der Seite, behindert er. Hier werden Geschlechterrollen mal anders auf- oder abgewickelt. Eine Lösung? Gibt es meiner Meinung nach nicht – und bei Corinna T. Sievers geht es nicht ohne Tote ab. Ein großartiges Buch ­– eher für Frauen.

Unbedingt lesen, wenn Sie Abgründe nicht scheuen und in der Literatur gerne Neues entdecken

Corinna T. Sievers Die Halbwertszeit der Liebe Corinna T. Sievers
„Die Halbwertszeit der Liebe“
Frankfurter Verlagsanstalt, 224 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-6270-0225-1

www.frankfurter-verlagsanstalt.de

19. Mai 2016

Jean Hanff Korelitz

Du hättest es wissen können

Grace ist ein Glückskind: erfolgreiche Paartherapeutin, die gerade ihr erstes Buch veröffentlicht, zuhause im noblen Teil New Yorks mit Sohn auf einer Privatschule und einem tollen Ehemann. Alles ist super.
Bis die Mutter eines Mitschülers ihres Sohnes umgebracht wird und obendrein Grace Ehemann Jonathan spurlos verschwindet. Das scheint erst einmal in keinem Zusammenhang zu stehen. Aber es beginnt nun für die arme Grace eine Höllenfahrt durch die Abgründe des Lebens. Was stimmt denn noch am bisherigen Familienidyll? Was sind die Beziehungen zu Freunden wert? Sind es überhaupt Freunde? Und wie glaubwürdig ist sie als Therapeutin?
Jean Hanff Korelitz hat einen ganz ungewöhnlichen Psychothriller geschrieben. Es geht nicht um das Verbrechen, sondern um die Gefühle von Grace. Um ihre bittere Erkenntnis, dass sie sich einiges vorgemacht hat. Basierte ihre glückliche Beziehung auf einer Illusion? Grace Erwachen und Bewusstwerden erzählt die Autorin so spannend und feinfühlig, dass ich immer und immer weiterlesen wollte. Fazit: Liebe macht eben blind. Sonst hätte Grace es wissen können. So wie sie es ihren Klienten abverlangt. Gute Erkenntnis für uns Leserinnen: Wir sollten daran denken, wenn wir uns das nächste Mal verlieben!

Unbedingt lesen, wenn Sie eben eine Beziehung in den Sand gesetzt haben oder nicht wissen, warum Ihre Lieben immer scheitern müssen.

Jean Hanff Korelitz Du hättest es wissen können Jean Hanff Korelitz
„Du hättest es wissen können “
Ullstein, 478 Seiten, 12,99 Euro
ISBN 978-3-5482-8735-5

www.ullstein-taschenbuch.de

13. Mai 2016

Anselm Grün

Im Zeitmaß der Mönche

Häufig muss ich Bücher für meine beruflichen Recherchen lesen. Die sind für mich meistens nur Material. Doch das Buch von Pater Anselm war ein Glücksfall, denn das hat mich persönlich angesprochen. Und deshalb möchte ich es hier vorstellen, obwohl seine Bücher millionenfach gelesen werden und der Mönch ein Bestsellerautor ist. Mir war er nur als Name bekannt. Gelesen hatte ich noch nichts von ihm. Und welch schöne Überraschung: Anselm Grün schreibt aus eigener Anschauung und so gar nicht klösterlich abgeschottet vom Alltag. Seine Sätze formuliert er bedacht und präzise. Das macht das Lesen zum Vergnügen.
Seine Gedanken zu diesem „wertvollen Gut“ Zeit sind erwachsen aus jahrelangem Leben in einem wohl strukturierten Tageslauf. Welchen Sinn Innehalten, Pause, Einkehr macht, verdeutlicht der Pater – ohne erhobenen Zeigefinger, einfach durch Erklären. Und durch zahlreiche Beispiele aus seinem Klosterleben in der Abtei Münsterschwarzach.
Besonders einleuchtend war mir das kurze Anhalten zwischen zwei unterschiedlichen Tätigkeiten. Nicht hektisch von einer Besprechung zum nächsten Meeting hetzen. Sondern das eine bewusst beenden – einige Minuten zu sich kommen (in die Wolken schauen? Katze streicheln?) – sich innerlich auf den nächsten Gesprächspartner einstellen. Viele solcher Sammlungsgedanken durchströmen das Buch. Ich schaue jetzt öfter mal rein und nehme Zeit bewusster wahr. Danke dafür, Pater!

Anselm Grün Im Zeitmaß der Mönche Anselm Grün
„Im Zeitmaß der Mönche“
Herder, 159 Seiten, 9,99 Euro
ISBN 978-3-4510-6807-2

www.herder.de

8. Mai 2016

Karsten Flohr

Villa Ludmilla

Um es gleich vorweg zu sagen: Es ist nicht einfach, ein Buch zu besprechen, dessen Autor ich gut kenne und mit dem ich viele Jahre zusammen gearbeitet habe. Aber: Ein unterhaltsames Buch kann ich deswegen LeserInnen nicht vorenthalten. Also!
Die Villa Ludmilla hat Bruno geerbt und dazu noch einen Batzen Geld. Und weil der Student ein gutes Herz hat, ziehen in die Villa bald die kuriosesten Typen ein.
Ein Komponist, der alle Instrumente mit dem Mund nachahmen kann, eine Frau mit Waschzwang und ein Schaffner mit Schlafnot, ein blinder Hund, zwölf asiatische Animiermädchen und noch einige eigenwillige Herrschaften. Alle haben eine Geschichte und die erzählt Karsten Flohr mit großem Witz und Sinn für Hintergründiges. Bruno selbst, der Villenbesitzer, ist Fan von Giordano Bruno und will ihn mithilfe einer Zeitmaschine im Jahr 1600 treffen. Dabei erfahre ich so einiges über den als Ketzer hingerichteten Mönch und stelle fest: Zeit ist relativ, denn was Giordano Bruno dachte, ist ganz modern und eigentlich bedarf es gar keiner Zeitmaschine, um vergangenen Dingen nah zu sein. So ist der Roman nicht bloß lustig, sondern auch klug.

Unbedingt lesen, rate ich: allen, die gerne lachen, Menschen, in deren Kopf beim Lesen Bilder entstehen, Menschen, die sich für Giordano Bruno interessieren und ferner allen, die Sinn für absurden Humor haben

Karsten Flohr Villa Ludmilla Karsten Flohr
„Villa Ludmilla“
acabus, 197 Seiten, 12,90 Euro
ISBN 978-3-8628-2420-5

www.acabus-verlag.de

4. Mai 2016

Janina Sticken, Linda Langer

Upcycling

Da schlägt mein Heimwerkerinnen-Bastlerinnen-Herz höher: 60 neue Ideen, alten Kram aufzumöbeln und zu etwas Nützlichem umzumodeln. Ein alter Stuhl wird Schaukelstuhl auf der Terrasse, eine Obstkiste zum Fußhocker, das Türschild kommt in einen neuen Rahmen und die Kiste mit dem Schuhputzzeug einen Knauf aus Holzkugeln.
Super einfache Dinge haben die Autorinnen – beide Designerinnen – zusammengestellt. Sie experimentieren gern und haben dabei so manch Nettes entdeckt. Es sind grundsätzlich alte, ausrangierte Sachen: von Jeans über Drahtbügel bis zu Konservendosen. Daraus werden Hängematte, Topfuntersetzer und Lampen.
Der Aufbau des Buches ist klar: eine Seite Foto, die andere bietet die Erklärungen. Die sind unzweideutig, simpel und die ganzen Anleitungen gut nachzuvollziehen – jedenfalls beim Schaukelstuhl. Meine Katzen lieben ihn bereits…

Janina Sticken, Linda Langer Upcycling Innenansicht Zum Baumeln für
Katz und Mensch
Janina Sticken, Linda Langer Upcycling Janina Sticken, Linda Langer
Upcycling“
Gräfe und Unzer, 128 Seiten, 14,99 Euro
ISBN 978-3-8338-4149-1

www.gu.de