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RANDNOTIZEN

Aus "Betrunkene Bäume"
"Erich nahm Irina einen kleinen Blumentopf aus der Hand, aus dem lediglich ein schmaler grüner Stängel mit einem einzigen Blättchen stach. Er stellte ihn zurück zu den anderen Töpfen auf die Fensterbank."


Aus "Saint Mazie"
"Na schön, ich hatte ein Schlückchen aus dem Flachmann genommen, stimmt schon. Ein Schlückchen und eine Zigarette, das kann mir keiner verübeln. Ich hatte meine ganzen True Romance-Heftchen ausgelesen, und die nächste Vorstellung fing erst in zwanzig Minuten an."


Aus „Der schönste Grund, Briefe zu schreiben“:
„Ein offenes Buch ist ein sprechender Geist; geschlossen ist es ein wartender Freund.“ Hinduistisches Sprichwort


Aus „Die Sommer der Porters“:
„Er schlägt das Tagebuch mit dem marmorierten Einband auf. Im Ofen knistert und knackt das Feuer.“


Was gerade auf meinem Nachttisch liegt
„Mal! Schreib! Kritzel! Für das Einschlafritual – und ein Becher mit bunten Stiften.
„Dein Bett liebt dich!“ zum Drin-rum-blättern in schlaflosen Nächten


Der Flur ist
„Die Schleuse zu Glück und Unglück, und immer stehen zu viele Schuhe dabei herum und schauen zu.“
Aus: Wohn dich glücklich!


Zitat aus "Hellwach"
"Die Blätter in den Baumkronen, die ab und zu vom orangefarbenen Straßenlicht beleuchtet werden, bilden einen Tunnel voller Sterne über mir."


Aus "Wir & ich"
 „Mieke geht unter die Dusche. Ein Bad nimmt sie nie, das machen nur faule Leute, die zu viel Zeit haben.“


Noch'n Buch
über Bücher, allerdings schon älter: „Eine Geschichte des Lesens“ von Alberto Manguel. Ein Klassiker, den man unbedingt haben muss, sofern einen Literatur interessiert. Fiel mir bei dem Buch von Andrea Gerk wieder ein, weil das auch so etwas Grundsätzliches ist


Zitat
"Literatur rettet Leben", sagte Alice. "Du liest viel?" "Jede freie Minute", sagt sie. "Das ist mein Rettungsboot."
Aus Isabella Straub: Das Fest des Windrads


Kalenderspruch
Unter dem Stichwort Lesefreuden steht in meinem Kalender: "Nur eines ist vergnüglicher, als abends im Bett, vor dem Einschlafen, noch ein Buch zu lesen – und das ist morgens, statt aufzustehen, noch ein Stündchen weiterzulesen!"
Oh, ja!


Sich durchkämpfen
Als ich „Im Hause Longbourne“ von Jo Baker las, fiel mir Olwen Hufton ein: „Frauenleben“. Die Geschichte von Frauen zwischen 1500 und 1800. Wie Hausmädchen lebten, wie Ehen geschlossen wurden, welche Rechte Frauen vorenthalten wurden, wie sie von ihren Vätern, Männern, Arbeitgebern abhängig waren.


 

10. Dezember. 2014

Jo Baker

Im Hause Longbourn

Was für eine grandiose Idee, Jane Austens Bestseller „Stolz und Vorurteil“ aus Sicht der Hausangestellten zu schreiben. Viele haben den Klassiker gelesen, sehr viele den Film mit Keira Knightley und Matthew MacFadyen gesehen. 2005 schwärmten ja fast alle für Mr. Darcy.
Genug geschwelgt! Jo Baker schaut auf die Rückseite der Medaille. Auf die Kleider, die im Schlamm verdreckten, auf Nachttöpfe unterm Bett, auf Kamine, die angeheizt und Wasserkübel, die aus Brunnen geschöpft werden mussten. Ich bewundere Jo Bakers Recherche. Die kleinsten Details. Etwa, dass erst ein Tier geschlachtet werden musste, um dann aus dessen Fett und Lauge Seife herzustellten. Kein Drogeriemarkt weit und breit, sondern harte, stinkige und langwierige Arbeit.
Hauptfigur ist die Hausangestellte Sarah, die als Kind aus dem Waisenheim ins Haus Longbourn kam. Die Mühsal im Haus, die in der Dämmerung beginnt, wird lediglich durch Gänge ins nächste Dorf, wo Zucker gekauft werden muss, unterbrochen. Es ist ein Leben in Abhängigkeit vom Gutwillen der Dienstherren. Raum für die Liebe zwischen Hausangestellten blieb kaum. Und wenn, dann geheim.
Jo Baker hat eine anrührende Geschichte geschrieben. Sarah wuchs mir ans Herz. Das Buch ist spannend, unterhaltsam, anders.

Unbedingt lesen, wenn Sie Jane Austens Zeit mal aus Perspektive der arbeitenden Bevölkerung kennenlernen wollen und sich trotzdem in einem gut geschriebenen Roman über Leben und Liebe einer jungen Frau vergessen wollen.

Jo Baker Im Hause Longbourn Jo Baker
„Im Hause Longbourn“
Knaus, 448 Seiten, 19,99 Euro
ISBN 978-3-8135-0616-7

www.knaus-verlag.de

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